Das Weiszheithaus, ein Jahrhundertroman

 

Familie


Gustav Weiszheit; geboren 20.9.1878, gestorben 2.11.1925

Gustav riecht nach Apfel und Zitrone. Kurz vor der Jahrhundertwende kommt er aus Ostpreußen nach Berlin und arbeitet im Zimmermannsbetrieb von Johann-Christoph Jürgens, dessen Tochter sich in ihn verliebt. Im Auftrag und mit dem Geld des Schwiegervaters baut er das Weiszheithaus in der Hafen-/Ecke Sonnenstraße.

Ehefrau: Augusta, geb. Jürgens
Tochter: Elise


Gustav ist ein heller Kopf - in jeder Beziehung. Er träumt gern, am liebsten von einer lichten Zukunft, und gern vor Publikum. Alles Technische begeistert ihn, für ihn entwickelt sich die Welt zum Besseren - jedenfalls so lange, bis der Erste Weltkrieg ihn eines Schlechteren belehrt.
Während des Krieges versucht er - zunehmend verzweifelt und vergeblich - gegen Hass und Lüge anzukämpfen. Zuletzt kann er nicht einmal mehr Freunde und Nachbarn beschützen.



Links: Gustav Weiszheit 1897 auf einem Gemälde des Heydekruger Malers Anton W. Salkus, gemalt vermutlich kurz vor dem Antritt seines Wehrdienstes (leider ist nur dieses Schwarz-Weiß-Foto erhalten)
     
     
     


Elise Lachner, geb. Weiszheit; geboren 1.1.1900, gestorben 19.11.1992

Elise riecht nach Lindenblüten. Sie wächst als Tochter des Hauseigentümers in privilegierten Verhältnissen auf. Einige Kindheits-Sommer verbringt sie in Schieß an der Ostsee.

Ihre Jugendliebe Ludwig überlebt den Ersten Weltkrieg, geht aber in die Sowjetunion. Sie heiratet den Orthopäden Ernst Lachner, hilft in der Praxis und führt ihm den Haushalt. Sie hat die empfindliche Weiszheitsche Nase geerbt, will davon aber nichts wissen.

Ehemann: Ernst Lachner,
Kinder: Hans, Lotte, Ilse und Karl, Kurt (siehe unten)

Nach dem zweiten Weltkrieg verlässt sie das Haus nur noch selten. Sie entwickelt eine recht selektive Wahrnehmung, die ihr Sohn Kurt "Schönsehen" nennt. In ihrer Welt existiert das Schlechte und Böse nicht.
Im Alter erblindet sie an Grauem Star und ist auf einen Rollstuhl angewiesen. Zuletzt ist die Nase alles, was sie noch mit der Welt verbindet.

     
     
     
Ernst Lachner, geb. 23.7.1887

Sein Vater war Notar in Charlottenburg. Er studiert in Berlin und Heidelberg studiert und promoviert anschließend über Haltungsschäden von Rekruten.

Im Ersten Weltkrieg als Orthopäde in Armee-Lazarett Jülich, später Hohenlychen. Seitdem riecht er nach dem Desinfektionsmittel Lysoform (Formaldehyd).

1920 eröffnet er in der 1. Etage des Weiszheithauses eine Orthopädische Praxis zur Versorgung Kriegsversehrter mit Arm- und Beinprothesen. 4.März 1922 Hochzeit mit Elise Weiszheit.

Er ist Orthopäde durch und durch, am Wichtigsten ist für ihn die gerade Haltung. Er lächelt selten, ist aber auch nie richtig wütend, sehr beherrscht, sieht so aus, als würde er immerzu die Zähne zusammenbeißen. Er redet nicht viel, denn er ist der Meinung, was man sagt, soll Geltung haben - für die Ewigkeit.

Im Zweiten Weltkrieg meldet er sich freiwillig, um der Beteiligung am Morden in den Heilanstalten zu entgehen, aber er entkommt der Schuld nicht. In Russland verliert er seinen Sohn Hans, in Schlesien seinen Arm. Nach dem Krieg

 

     
     
     
Hans Lachner, geb. 25.11.1922

ältester Sohn von Elise und "Liebling" Ernst Lachners. Ehrgeiziger Sportler, ernsthaft und erfüllt von hohen moralischen Grundsätzen. Wechselt aus "Vernunftgründen" von der Flieger-HJ zu den Feldschern. Der Unfalltad seines Bruders, den er nicht verhindern kann, wird zum prägenden Trauma seiner Jugend.

1940 Kriegsabitur, in Jena Schnellkurs in Operationstechnik und Rettungsmedizin. 1941 von seinem Vater nach Ostpreußen geholt, an dessen Seite im Russlandfeldzug. Seit der überstürzten Verlegung seines Lazarettes 1944 vermisst.
     
     
     

Kurt Weiszheit, geb. Lachner; geboren 13.6.1930, gestorben 7.3.2007

Er riecht nach Zimtrinde und Nelken und ist der erste unter den Männern der Familie Weiszheit, der die "Nase" hat. Aufgewachsen als Sohn von Ernst Lachner, erfährt er erst spät, dass in Wirklichkeit Ludwig Weiszheit sein Vater ist.

Er ist in vielerlei Hinsicht anders als seine Geschwister Lotte, Hans, Ilse und Karl. Im Gegensatz zu ihnen ist er von schmächtiger Gestalt und hat die blasse Haut der Ostpreußischen Weiszheits.
Den Familienschatz an Sagen und Anekdoten nutzt er schon als Kind, um Aufmerksamkeit zu erlangen, oft vermischt er dabei Phantasie und Wirklichkeit. Er spielt gern Rollen und verkleidet sich, am liebsten mit den Kleidern seiner Schwestern.

Im Laufe von etwa 40 Jahren schreibt er zahlreiche Romane, Krimis, Erzählungen und Essays unter seinen Namen Lachner und Weiszheit und fünf Pseudonymen: Petra Pelosi, Stefan Jahnke, Pierre Mauriac, Jan Antoin und Gunter Gonzalis.

Tochter: Brigitte Gabbert, geb. Heinze

Foto links: Kurt Lachner im Alter voon 20 Jahren (1950)
   
Bibliografie: Bücher von Kurt Weiszheit
   
  • "Deutschlands Jugend hört den Ruf" Ein Poem von Kurt Lachner, Neues Deutschland, 18.12.1948 

    • „Klaus und Karola, ein Buch für die neue Jugend“, jetzt als Kurt Weiszheit, Verlag Neue Jugend, Berlin 1951

      „Trotz alledem“ Drehbuch 1955

      „Gustav, der Sucher“, Verlag Neue Jugend, Berlin, 1956, Manuskript erste Fassung: 1951, Manuskript zweite Fassung: 1953

      „Nächtliche Verlaufungen“, Zentaurenverlag Rudolstadt, 1958

      „Heilige Narren“, Verlag Morgenröte Berlin, 1959

      1962 ff. unter dem Pseudonym Petra Pelosi: „Tausendundeine Nacht in Sodom“, „Das neue Decamerone“ ,“Der Meister von Alcatraz“, „Fannys Garten der unreifen Lüste“, „Pelosis Welt; Monatsblätter für erotische Anregungen“, 1968 bis 1974, alle Schweinskramverlag

      „Wie ich Schriftsteller wurde“, Junge Zeit vom 17.6.1964

      „Licht in dunkler Zeit“, Verlag der Freundschaft, 1966

      „Vortrag in Öl“, Ausbau-Verlag, 1971

      „Die Turmbauer zu Babylon“, Ausbau-Verlag 1972

      „Handreichung für die Leiter von Zirkeln schreibender Arbeiter“, Schriftenreihe des Zentralhauses für Kulturarbeit der DDR

      „Von einem, der auszog, das Fürchten zu lehren“ (Manuskriptfassung 1968) Ausbau-Verlag 1990

      „Kurisches Flüstern“,Verlag der Völker, 1988 (Manuskript der 2.Fassung 1974, Hängeregister 7)

      14 Krimi-Romanhefte unter dem Pseudonym Gunter Gonzalis, Verlag des Innern

      Kurzgeschichte „Million und Zwölf“ in „So gut wie die alte Zeit nie war, eine Anthologie Berliner Schriftsteller“, Verlag neuer Mensch, 1979

      „Mein coming out“, in Berlin von hinten, 10/1989, S. 154ff

      „Kurz und Blut“ Paper-Verlag Ostberlin, 1992

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